Mennonitenkirche
Mit dem Erwerb des Hauses in der Ernst-Ludwigstr. 2 als Pastorenwohnung und dem Bau dieser Kirche wurde 1820 der Sitz der Mennonitengemeinde von Kriegsheim nach Monsheim verlagert.
Finanzielle Grundlage für den Bau der neuen Kirche bildete der Verkaufserlös des alten Gebetshauses und des Friedhofes in Kriegsheim. Die Amsterdamer Mennonitengemeinde unterstützte ihre Monsheimer Glaubensgeschwister mit 600 Gulden. So war es möglich, auf einem von der Familie Möllinger zur Verfügung gestellten Grundstück, diese Kirche – einen klassizistischen Saalbau – in Eigenleistung zu errichten. 1889 verkaufte man das alte Pfarrhaus und erwarb ein neues in der Heppenheimer Straße. Dieses Haus dient noch heute als Predigerwohnung, Büro und Versammlungsort.
In Monsheim gibt es bis heute eine aktive Mennonitengemeinde. Die Mitglieder kommen aus einem Umkreis von circa 50 Kilometern. In der Kirche finden regelmäßig die Gottesdienste der Gemeinde statt.
Mennoniten in Kriegsheim
Ehemaliger Friedhof der Mennoniten Gemeinde – auf dem Engelsberg
Bereits vor der Wende zum 17. Jahrhundert waren Täufer in Kriegsheim ansässig. 1601 zählte man, bei 200-300 Einwohnern, 66 Täufer. Nach dem Dreißig-jährigen Krieg wurden sie von Glaubensgeschwistern aus der Schweiz verstärkt. Man nannte sie fortan Mennoniten. Eine Gruppe Kriegsheimer Täufer schloss sich 1657 den Quäkern an. 1677 besuchte William Penn diese Quäker. Sie wurden 1685 aus Kriegsheim vertrieben und wanderten mit weiteren Familien aus Krefeld nach Pennsylvanien aus. Dort gründeten sie die Siedlung Germantown. Hier auf dem Engelsberg besaßen die Mennoniten einen eigenen Friedhof und nahe der Pfrimm ein Gebetshaus. 1818 beschlossen die Kriegsheimer als erste Mennonitengemeinde im süddeutschen Raum, einen studierten Prediger – Leonhard Weydmann – anzustellen. Ihm versprach man, das alte marode Gebetshaus durch eine neue Kirche zu ersetzen. Finanzielle Grundlage schuf der Verkauf des nicht mehr benötigten Friedhofs an die katholische Kirchengemeinde, die hier ab 1864 ihr Gotteshaus errichtete.
Der Alte Möllingerhof
Hofgut des David Möllinger, dem Vater des Pfälzer Ackerbaus – Landwirtschaftlicher
Musterbetrieb im 18. Jahrhundert – Wiege des Kartoffelschnaps – Essigsiederei
Ulrich Möllinger, Stammvater aller in Süddeutschland lebenden Möllinger, war als Täufer aus dem Berner
Gebiet geflohen und hatte sich in Guntersblum angesiedelt. Sein Enkel David Möllinger (1709-1787) übernahm
im Jahre 1744 mit seiner Ehefrau Maria Kindig dieses Gut. Er war ein Pionier auf landwirtschaftlichem
Gebiet. Durch seine Art der Düngung konnte die Dreifelderwirtschaft abgeschafft werden. Sein Betrieb galt
als Musterbetrieb und zog das Interesse in- und ausländischer Agrarreformer auf sich. Möllinger betrieb
nicht nur Ackerbau und Viehzucht, er braute auch Bier, brannte erstmals Schnaps aus Kartoffeln, betrieb eine
Essigsiederei und handelte mit all seinen Erzeugnissen.
Unter seinen Söhnen dehnte sich der Betrieb weiter aus. Möllingers Wirken in der Monsheimer Mennonitengemeinde ließ diese aufblühen. 1910 endete die Ära der Möllinger in Monsheim. Aus dem Areal in der Monsheimer Hauptstraße entstanden drei einzelne Höfe.
Heute befindet sich im „Alten Möllingerhof“ das Weingut der Familie Seibel.
Die Rüstermühle
Mahlmühle – Elektrizitätswerk – ehemaliger Sitz der Mennonitenfamilie Finger
Die Rüstermühle wurde 1413 erstmals erwähnt und ist somit die älteste Mühle Monsheims. Ihren Namen hat sie von den „Rüstern“ (Ulmen), die sie einst umgaben. Zwischen 1598 und 1817 wechselte die Mühle mehrfach den Besitzer. Von 1817-1858 gehörte sie der Familie Anhäuser, danach für kurze Zeit dem Wormser Lederhändler Isaac Pfungst, der hier eine Lederriemenfabrik betrieb. Daniel Finger aus der Oberen Schlossmühle arbeitete bei Pfungst. 1859 kaufte er die Mühle und gab sie an seinen Bruder Christian Finger weiter, der sie 1897 mit seinem Sohn Hermann zu einem Elektrizitätswerk umbaute, das Monsheim und Kriegsheim mit Strom versorgte.
Christian Finger war von 1885-1907 Rechner im Vorstand der Mennonitengemeinde Monsheim und vertrat diese bei der Vereinigung der Deutschen Mennonitengemeinden (VDM). Von 1907-1929 übernahm Hermann die Aufgaben seines Vaters bei den Mennoniten.
Mit dem Verkauf 1925 endete die Ära Finger auf der Rüstermühle. Seitdem ist die Mühle in Besitz der Familie Milch, die hier ein Weingut betreibt.